Zahnmedizin beim Pferd
- vetveronikahajek
- 19. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Zahnbehandlung beim Pferd – Ein unverzichtbarer Teil der tiermedizinischen Versorgung
Die Zahngesundheit spielt eine zentrale Rolle für das allgemeine Wohlbefinden eines Pferdes. Nur ein funktionsfähiges Gebiss ermöglicht die vollständige und schmerzfreie Nahrungsaufnahme, die richtige Zerkleinerung der Nahrung und damit eine optimale Verdauung – Grundpfeiler für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Trotz dieser Bedeutung wurde die Zahnmedizin beim Pferd lange Zeit vernachlässigt und wird erst in den letzten Jahrzehnten zunehmend als integraler Bestandteil der tierärztlichen Versorgung erkannt.
Warum Zahnbehandlungen beim Pferd notwendig sind
Pferde besitzen ein sogenanntes hypsodontes Gebiss: Die Backenzähne schieben kontinuierlich nach, um die natürliche Abnutzung auszugleichen. In freier Wildbahn führte langes Fressen von hartem Gras zu gleichmäßiger Abnutzung aller Zähne. Bei heutigen Fütterungsformen (Heu, weiches Grünfutter, Kraftfutter, unregelmäßige Fresszeiten) ist diese gleichmäßige Abnutzung jedoch häufig gestört, was zu scharfen Kanten, Haken, Rampen oder Meißelzähnen führen kann – mechanischen Störfaktoren, die Schmerzen, Leiden, Schäden am Zahnapparat oder Kieferprobleme auslösen können.
Zahnprobleme beim Pferd können sich äußern durch:

verminderte Futteraufnahme, oder Meidung bestimmter Futtermittel
„Wickelkauen“
Gewichtsverlust trotz guter Futteraufnahme
vermehrter Speichelfluss oder Mundgeruch
Verletzungen der Maulschleimhaut
veränderte Kaumuster
Verhaltensauffälligkeiten beim Reiten
Rittigkeitsprobleme oder Kopfschiefhaltung
oft kaum bis keine deutlichen Anzeichen!
Moderne tiermedizinische Zahnbehandlung – Aufbau und Ablauf
Untersuchung und Diagnostik
Vor jeder Zahnbehandlung steht eine gründliche Untersuchung. Dazu gehören:
Anamnese,
Allgemeine klinische Untersuchung,
Beurteilung von Kopf- und Kieferregion.
Behandlungsschritte
Je nach Befund kann die Zahnbehandlung unterschiedliche Maßnahmen umfassen:
Entfernen von Haken, Rampen und scharfen Kanten,
Korrektur von Zahnüberständen zur Optimierung der Okklusion,
Entfernung von Milchzahnkappen bei Jungpferden,
Extraktion von problematischen Zähnen (z. B. Wolfszähnen) oder bei destruktiven Prozessen ( z. B. EOTRH),
Behandlung von parodontalen Erkrankungen oder Diastemata
Erstellung eines Behandlungsprotokolls zur Erfassung des Gebiss-Status, der durchgeführten Therapie und evtl nötigen weiteren Maßnahmen.
Diese Eingriffe werden in der Regel unter fachkundiger tierärztlicher Aufsicht und in Sedation durchgeführt. Der Einsatz moderner Instrumente und ggf. bildgebender Verfahren wie Endoskopie oder Röntgen kann die Diagnostik und Therapie deutlich verbessern.
Regelmäßige Kontrollen als Prophylaxe

Die aktuelle Empfehlung aus der Fachwelt ist:
Jährliche bis Anderthalbjährliche Kontrolle beim Erwachsenen Pferd – bei Bedarf häufiger,
Halbjährliche Untersuchungen bei Jungpferden im Zahnwechsel.
Durch regelmäßige Checks können Anomalien, Fehlkontakte oder pathologische Veränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden – was Schmerzen, sekundäre Erkrankungen und langwierige Komplikationen verhindert.
Ausbildung und Qualifikation in der Pferdezahnmedizin
Die Internationale Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne e. V. (IGFP) fördert Wissen und Fortbildung im Bereich Pferdezahngesundheit. Sie stellt Informationen zu Zahnproblemen, Behandlungsabläufen und Qualifikationsmöglichkeiten bereit und vernetzt praktizierende Fachkräfte. (IGFP e. V.)
Wichtig ist: Der Begriff „Pferdezahnarzt“ ist rechtlich nicht geschützt. Tierarzt oder Tierärztin ist die einzige geschützte Berufsbezeichnung für Zahnbehandlungen beim Pferd, ergänzt um mögliche Zusatzqualifikationen oder Prüfungen wie jene der IGFP.
Fazit
Die Zahnbehandlung beim Pferd ist ein integraler Bestandteil der veterinärmedizinischen Versorgung. Sie umfasst präzise Diagnostik, fachkundige Therapie und regelmäßige Kontrollen zur Prävention. Wissenschaftliche Fachliteratur unterstreicht die Bedeutung des Gebisses für die Gesundheit des gesamten Organismus und fordert einen konsequent evidenzbasierten Ansatz. Pferdebesitzer sollten in Absprache mit qualifizierten Tierärzt:innen individuelle Prophylaxekonzepte entwickeln – denn gesunde Zähne tragen unmittelbar zum Wohlbefinden und zur Leistungsfähigkeit der Tiere bei.



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