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Wissenswertes

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Veterinär Chiropraktik

  • vetveronikahajek
  • 19. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Sanfte Impulse für Bewegung, Rehabilitation und Wohlbefinden


In diesem Beitrag erfahre Sie:

  • Was ist Chiropraktik?

  • Wann kann Chiropraktik bei Pferden helfen?

  • Was sagt die Wissenshaft - evidenzbasierte Studienlage

  • Abgrenzung zu laienhaften oder nicht fachkundigen Behandlungen

  • Warum die Kombination aus Tiermedizin und Chiropraktik überzeugt

  • Ablauf einer chiropraktischen Behandlung durch mich

  • Fazit

  • Quellanangaben




Eine Tierärztin die ein Pferd behandelt
Chiropraktik am Pferderücken

Was ist Chiropraktik eigentlich?

Chiropraktik ist eine manuelle medizinische Behandlungsmethode, die sich auf die Funktion der Gelenke – insbesondere der Wirbelsäule – und deren Einfluss auf das Nervensystem konzentriert. Eine gestörte Beweglichkeit in einem oder mehreren Gelenken kann die normale Nervenfunktion beeinträchtigen, was wiederum zu Schmerzen, Leistungseinbußen und / oder Verhaltens- wie Bewegungsänderungen führen kann.


Nach einer gründlichen Untersuchung ertastet die Tierärztin oder der Tierarzt funktionelle Bewegungseinschränkungen und behandelt sie sanft durch präzise, kurze Impulse – sogenannte Adjustments. Diese Methode ersetzt keine tierärztliche Diagnostik, sie ergänzt sie. Genau das ist der Ansatz, den die International Academy of Veterinary Chiropractic (IAVC) lehrt: Eine fundierte, veterinärmedizinisch verankerte, sichere und handwerklich präzise Therapieform.


Wann kann Chiropraktik bei Pferden helfen?

Tierchiropraktik kann unterstützend eingesetzt werden bei:

  • Rittigkeitsproblemen oder Taktunreinheiten

  • Rückenschmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit

  • Problemen beim Stellen und Biegen

  • unklaren Leistungsdefiziten trotz unauffälliger Diagnostik

  • nach orthopädischen oder muskulären Verletzungen (zur Wiederherstellung normaler Bewegungsmuster)

  • zur Prävention oder vor/nach dem Turnier bei Sporttieren

  • Nach Operationen oder langen Krankheitsphasen

  • uvw.


Wichtig: Chiropraktik heilt keine strukturellen Schäden (z. B. Frakturen, Bänderrisse), kann aber funktionelle Störungen – sogenannte restrictions – oft erfolgreich beheben oder lindern.


Was sagt die Wissenschaft? – Evidenzbasierte Studienlage

Die wissenschaftliche Basis der Veterinärchiropraktik wächst stetig. Aktuelle Studien zeigen positive Effekte auf Beweglichkeit, Schmerzempfinden und Muskelaktivität:


Studien zu Pferden

  • Haussler, K. K. et al. (1999): Zeigten in Equine Veterinary Journal, dass chiropraktische Manipulationen die Beweglichkeit der Wirbelsäule und das Verhalten von Pferden verbessern können.

    • Quelle: Haussler KK, et al. Equine Vet J. 1999;31(1):40–45.

  • Wilke, V. L. et al. (2012) untersuchten Effekte spinaler Manipulationen auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule – Ergebnis: messbare biomechanische Verbesserungen.

    • Quelle: Wilke VL et al. Equine Vet J. 2012;44(5):556–562.

  • Haussler & Behm (2007): zeigten in Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, dass chiropraktische Behandlungen die Muskelspannung regulieren und die Koordination verbessern können.

    • Quelle: Haussler KK, Behm D. Vet Clin North Am Equine Pract. 2007;23(1):89–101.


Evidenz bei anderen Tierarten und allgemein

  • Millis & Levine (2014) fassen in Canine Rehabilitation and Physical Therapy zusammen, dass manuelle Therapie (inkl. Chiropraktik) positive Effekte auf Schmerzreduktion und Bewegungsumfang bei Hunden hat.

    • Quelle: Millis DL, Levine D. Canine Rehabilitation and Physical Therapy. Elsevier, 2014.

  • Keizer et al. (2018) fanden bei Hunden mit Rückenproblemen nach chiropraktischer Intervention eine signifikante Verbesserung im Gangbild.

    • Quelle: Keizer M et al. Vet Rec. 2018;183(7):221.

Insgesamt belegen Studien also: Chiropraktische Interventionen können funktionelle Verbesserungen ermöglichen – idealerweise im Rahmen einer integrierten tiermedizinischen Behandlung.

Abgrenzung zu laienhaften oder nicht fachkundigen Behandlungen

Ein wichtiger Punkt: Chiropraktik darf nur von ausgebildeten Fachpersonen durchgeführt werden.

  • Tierärzte mit offizieller Zusatzausbildung (z. B. IAVC-zertifiziert) verfügen über die anatomischen, neurologischen und pathophysiologischen Kenntnisse, um sicher zu beurteilen, wann und wie eine chiropraktische Behandlung sinnvoll ist - und wann lieber tierärztlich diagnostiziert und therapiert werden sollte.

  • Laienhafte oder gar gewaltsame Praktiken ohne medizinisches Verständnis sind nicht nur unwirksam, sondern potenziell gefährlich – sie können Gewebe- oder Gelenksschäden verursachen.

  • Eine tierärztliche Chiropraktorin oder ein -Chiropraktor arbeitet diagnostisch orientiert, nutzt sanfte, gezielte Impulse, niemals rohe Kraft.


Warum die Kombination aus Tiermedizin und Chiropraktik überzeugt

Die Verbindung aus tierärztlicher Expertise und manueller Therapie bietet viele Vorteile:

  • Ganzheitliche Sichtweise: Medizinisch fundierte Diagnostik trifft auf funktionelle Behandlung.

  • Sicherheit: Abklärung möglicher Kontraindikationen (Tumor, Fraktur, Entzündung) durch veterinärmedizinische Untersuchung.

  • Nachhaltige Ergebnisse: Kombination aus Chiropraktik, Physiotherapie, Training und gezieltem Management führt oft zu langfristig stabilen Verbesserungen.

So ergänzt die Chiropraktik die moderne Tiermedizin auf ideale Weise – evidenzbasiert, präzise und sanft.


Ablauf einer chiropraktischen Behandlung durch mich

Der erste Termin dauert in der Regel 1,5 h, Folgetermine ca 1 h. Er beinhaltet:

  • Genaue Anamnese und Vorgeschichte

  • Beurteilung des Pferdes und des Gangmusters in der Ruhe, im Schritt, Trab und in engen Wendungen.

  • Beginn der Therapie und weiterer Diagnostik mit einem Faszienrad (nach Grünbeck)

  • Anschließend chiropraktische Befundung und Behandlung.

  • Beurteilung des Sattels

  • Abschlussgespräch und Erläuterung des weiteren Behandlungs- und Physiotherapieplans durch den/ die Besitzer:in und mich.

  • Abgabe eines Behandlungsprotokolls und eines individuellen Therapieplans mit Hinweisen zur eigenständigen Weiterarbeit durch den/die Besitzer:in.




Fazit

Tierärztliche Chiropraktik ist kein Ersatz für klassische Medizin, sondern eine wissenschaftlich fundierte Ergänzung, die Bewegung, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit fördert. In den Händen einer qualifizierten Tierärztin oder eines Tierarztes ist sie ein wertvolles Werkzeug – für Pferde, Hunde und viele andere Tiere.


Quellen (Auswahl):

  1. Haussler KK, et al. Equine Vet J. 1999;31(1):40–45.

  2. Wilke VL, et al. Equine Vet J. 2012;44(5):556–562.

  3. Haussler KK, Behm D. Vet Clin North Am Equine Pract. 2007;23(1):89–101.

  4. Millis DL, Levine D. Canine Rehabilitation and Physical Therapy. Elsevier, 2014.

  5. Keizer M et al. Vet Rec. 2018;183(7):221.

  6. International Academy of Veterinary Chiropractic. https://i-a-v-c.com/de/

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